LONDON, 2. April 2026, 17:07 BST
Die National Grid plc feierte am Donnerstag 15 Jahre seit der Inbetriebnahme von BritNed – einem 1-Gigawatt-Seekabel, das Großbritannien mit den Niederlanden verbindet. Das Jubiläum fiel mit der Unterzeichnung einer Joint Development Agreement zwischen dem Unternehmen und dem niederländischen Netzbetreiber TenneT zusammen, wodurch das LionLink-Projekt einer endgültigen Investitionsentscheidung näherkommt.
Das Timing ist hier entscheidend. Großbritannien und seine Nachbarn in der Nordsee drängen darauf, grenzüberschreitende Stromverbindungen und Offshore-Wind-Anbindungen auszubauen, um die Energiesicherheit zu stärken. Die National Grid prognostizierte letzten Monat, dass der bereinigte Gewinn je Aktie im Jahr 2027 um 13 % bis 15 % steigen werde, und verwies dabei auf eine neue britische Regulierungsperiode mit erhöhten erlaubten Einnahmen.
LionLink ist das, was die Branche einen hybriden Interkonnektor nennt – im Wesentlichen ein Kabel, das gleichzeitig Strom zwischen Ländern übertragen und an Offshore-Windparks anschließen kann. Ofgem gab dem Projekt 2024 grundsätzlich grünes Licht für ein Pilot-Regulierungsregime und erklärte, dass solche Anlagen im Vergleich zum Bau separater Interkonnektoren und eigenständiger Offshore-Wind-Anbindungen für mehr Koordination und Effizienz sorgen könnten.
Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2011 hat BritNed laut National Grid fast 93 Terawattstunden Strom übertragen. Allein in den letzten fünf Jahren lieferte der Interkonnektor jährlich genug Strom, um etwa 1,4 Millionen Haushalte zu versorgen.
National Grid erklärte, BritNed habe eine Rolle in einem größeren Netzwerk von Interkonnektoren gespielt, das britischen Verbrauchern in den letzten drei Jahren Einsparungen von 1,65 Milliarden Pfund im Vergleich zur Gasnutzung gebracht habe. Auf niederländischer Seite beliefen sich die Auktionserlöse in den vergangenen 15 Jahren auf rund 1 Milliarde Euro. Rebecca Sedler, Geschäftsführerin für Interkonnektoren bei National Grid, bezeichnete BritNed als „Grundpfeiler“ der britisch-niederländischen Beziehungen. National Grid
Jan-Paul Dijckmans von TenneT nannte LionLink ein Projekt mit „erheblichen gesellschaftlichen Vorteilen“ und unterstützte die Entscheidung des niederländischen Kabinetts, für die Initiative eine Offshore-Strom-Bieterzone einzurichten. National Grid schätzte die Kapazität von LionLink bis Anfang der 2030er Jahre auf bis zu 2 GW – potenziell genug für 2,5 Millionen Haushalte. National Grid
Dieser Schritt spiegelt eine bekannte Strategie im Versorgungssektor wider. Bereits im Januar brachten National Grid und TenneT Deutschland GriffinLink an den Start. Auch andere Betreiber – darunter SSE und Iberdrola – haben ihre Netz-Investitionen verstärkt. „Im Netzgeschäft gibt es verlässlichere Einnahmen als bei erneuerbaren Energien“, stellte UBS-Analyst Gonzalo Sanchez-Bordona fest. Reuters
Interkonnektoren bringen eine Menge Ballast mit sich: Sie sind langsam im Bau, erfordern hohe Anfangsinvestitionen und können sich leicht in regulatorischem Bürokratismus verheddern. Im Februar legten Regulierungsbehörden aus Großbritannien und Frankreich ein geplantes Stromkabel zwischen Großbritannien und Frankreich auf Eis, da Bedingungen nicht erfüllt wurden und eine gründlichere Prüfung der langfristigen Nachfrage sowie der Aufteilung von Kosten und Einnahmen gefordert wurde. Das ist ein Zeichen dafür, dass auch LionLink wahrscheinlich eine lange Phase von Genehmigungen und Bauarbeiten vor sich hat, bevor es irgendwohin führt.